In „ADHS – gesegnet und verflucht“ beschreibt Timo Konzelmann das Leben mit ADHS aus einer persönlichen und zugleich erklärenden Perspektive. Er möchte ADHS nicht nur als Belastung darstellen, sondern auch die möglichen Stärken sichtbar machen.
Der Autor verbindet eigene Erfahrungen mit allgemeinen Informationen. Er spricht offen über typische Herausforderungen wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität, starke Gefühle sowie Schwierigkeiten in Schule, Beruf und Beziehungen. Gleichzeitig macht er deutlich, dass ADHS auch besondere Ressourcen mit sich bringen kann, etwa Kreativität, Begeisterungsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich intensiv in bestimmte Themen zu vertiefen. Genau diese doppelte Sicht passt zum Titel und zieht sich durch das gesamte Buch.
Positiv ist, dass das Buch Vorurteile abbaut und Verständnis fördert. Leser erhalten einen nahen Einblick in den Alltag von Betroffenen, inklusive innerer Gedanken und Emotionen. Besonders für Menschen mit ADHS und ihr Umfeld kann das ermutigend und hilfreich sein.
Fachlich ist wichtig einzuordnen, dass das Buch keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt. Medizinische und therapeutische Inhalte werden eher vereinfacht dargestellt und ersetzen keine Fachliteratur oder Behandlung, können diese aber gut ergänzen.
Ein eigener Schwerpunkt ist die Ernährung, vor allem der Keto-Ansatz. Konzelmann schildert, dass eine ketogene Ernährung ihm persönlich bei Konzentration, innerer Ruhe und Stabilität geholfen habe. Dies wird klar als subjektive Erfahrung dargestellt und nicht als Heilversprechen. Aus fachlicher Sicht sollte man betonen, dass Keto nicht Teil gängiger ADHS-Leitlinien ist und die Studienlage für einen eindeutigen Nutzen bei ADHS begrenzt ist. Zudem kann eine stark eingeschränkte Ernährungsform Risiken mit sich bringen und gehört, wenn überhaupt, in eine fachlich begleitete Umsetzung.
Der Stil ist insgesamt offen, persönlich und gut verständlich. Fachbegriffe werden sparsam genutzt, sodass das Buch auch ohne Vorkenntnisse gut zugänglich ist.
Fazit: Ein ehrliches, alltagsnahes Buch, das zur Aufklärung und Entstigmatisierung beiträgt. Als erfahrungsbasiertes Werk ist es empfehlenswert, sollte aber klar von wissenschaftlicher Fachliteratur abgegrenzt werden.